Agile lernen als Team

Als Team zu lernen ist nicht einfach. Team-Mitglieder müssen den Lern-Prozess verinnerlichen und in die alltägliche Arbeit einbinden. Teamleiter müssen gemeinsames Lernen unbedingt unterstützen, denn eine lernende Organisation, ein lernendes Team, hat auf lange Sicht mehr Erfolg.

Wilson, Goodman und Cronin (2007) beschreiben Team-Lernen als einen Prozess bestehend aus drei Schritten

  • Wissen teilen,
  • Wissen einlagern, und
  • Wissen aufrufen.

Wissen ‚einlagern‘ bedeutet, dass Leute es als gemeinsame Basis in ihrem Kopf aufbewahren und es  jeder Zeit abrufen können. Sprich, Team Mitglieder haben Zugang zu verwahrtem Wissen und können es nutzen, wenn benötigt. Wie kann ein solcher Lern-Prozess durch agile Arbeitsweisen vereinfacht werden?

Wir gehen durch den Prozess Schritt für Schritt, um diese Frage zu klären.

 

Wissen Teilen

Damit ein Team effektiv Wissen teilen kann, müssen sie miteinander kollaborieren und intensiv zusammenarbeiten. Andersherum, wenn Team Mitglieder eng zusammenarbeiten, ist es einfacher Wissen zu teilen, als wenn jeder sein Ding durchzieht.

Insbesondere in einem agilen Team kann eine solch enge Zusammenarbeit einfacher stattfinden als es in einem normal aufgestellten Team der Fall ist. Ein agiles Team soll aus den Leuten bestehen, die das Wissen haben und benötigen, dass man für den erfolgreichen Abschluss eines Projektes braucht. Das bedeutet allerdings nicht, dass auch alle auf dem gleichen Stand sind. Im Gegenteil! Jeder hat ein einzigartiges Set an Fähigkeiten, die ihm zu Verfügung stehen und welches er mit seinen Team Kollegen teilen kann. Indem Mitglieder in einem agilen Team eben jene Fähigkeiten und dieses individuelle Wissen miteinander teilen, können sie voneinander lernen und als Team wachsen und sich entwickeln. Sie lernen als Team.

Dieser Aspekt wird weiterhin unterstützt durch agile Strukturen an sich. Erinnern Sie sich an das agile Manifesto? Insbesondere an diese folgenden zwei Prinzipien:

  1. Individuen und Interaktionen über Prozesse und Werkzeuge
  2. Customer Kollaboration über Vertrags-Verhandlungen

Beide repräsentieren, dass Wissen zu teilen und im Team miteinander zu kollaborieren tief mit Agilität verbunden sind. Das bedeutet jedoch nicht, dass Team-Lernen automatisch stattfindet. Team-Lernen und Kollaboration sind stark miteinander verbunden jedoch keine festen Abhängigkeiten, die auf jeden Fall stattfinden sobald eins davon da ist. Wie bereits oben erklärt, man braucht Kollaboration um sich als Team weiter zu entwickeln, und ein Team, welches bereit ist gemeinsam zu lernen, kollaboriert mehr – Jedoch muss man aktiv den Lern-Prozess bestreiten.

Agile Methoden fördern Kollaboration indem sie den Teams unter anderem die Freiheit geben ihre Ziele und Definitionen selbst zu formulieren. Ein gemeinsames Team-Ziel zu haben, führt dazu, dass Team Mitglieder enger miteinander arbeiten, um jenes gemeinsam formulierte Ziel auch zu erreichen. Immerhin geht es ja um das Team-Ergebnis und nicht um das eines einzelnen. Keine oder locker formulierte Ziele können zu Unstimmigkeiten und Distanz führen, da es keinen gemeinsamen Strang gibt, an dem man ziehen muss und möchte. Gemeinsame Ziele im Team werden zum Beispiel während eines PI Planning definiert. Die sogenannten PI Objectives sind Ziele, welche innerhalb der nächsten zehn Wochen erreicht werden sollen.

Solche Team-Ziele, oder PI Objectives, kreieren ‚outcome interdependence‘ im Team, was bedeutet, dass Team-Mitglieder fester zusammengebunden sind, weil sie das Ziel nur zusammen erreichen können. Solch eine Verbundenheit unter den Team-Mitgliedern verlangt ihnen ab, dass sie Informationen teilen und eine gemeinsame, strukturelle Basis aufbauen. In anderen Worten: Team-Ziele führen dazu, dass das Team als Ganzes nach einem gemeinsamen Ergebnis strebt, welches Kollaboration abverlangt und jedermanns Wissen benötigt – Team-Mitglieder müssen ihre Fähigkeiten teilen und zusammenbringen.

Letzteres ist sehr gut für Team-Erfolg und Lernen im Team, da Leute im Team miteinander arbeiten und ihr Wissen teilen und je mehr sie voneinander lernen desto erfolgreicher werden sie.

 

Wissen Einlagern

Der nächste Schritt handelt davon wie Leute im Team ihr Wissen ‚einlagern‘. Team-Mitglieder müssen erlangtes Wissen verinnerlichen und gerade Gelerntes für späteren Gebrauch speichern.

Wissen speichern dreht sich darum, sich an bereits gelerntes zu erinnern, wenn das nötig ist. Solch eine Wissens-Einlagerung ist einfacher, wenn Leute in Teams dazu bereit sind neue Fähigkeiten zu erlernen und sich nicht dagegen wehren oder Angst haben zu zugeben, dass jemand anderes etwas besser kann und weiß als sie.

Ein agiles Mindset kann den Willen voneinander zu lernen steigern. Ein agiles Mindset zu haben, bedeutet, dass seine Person offen ist gegenüber neuen Ideen und Meinungen. Insbesondere der Agile oder Servant Leader – welcher auch Teil des Teams ist und noch dazu lernen kann – sollte ein agiles Mindset haben und in der Lage sein, Macht abzugeben und Entscheidungskraft zu dezentralisieren. Entscheidungen zu dezentralisieren gibt Raum für mehr Kollaboration zwischen den Team Mitglieder, welche ihr Wissen und die ihnen gegebenen Informationen teilen müssen, um vernünftige Entscheidungen zu treffen. Des Weiteren fühlen sich Leute im Team gewertschätzt, wenn sie aktiv in den Entscheidungsprozess einbezogen werden und sind demnach auch offener gegenüber anderen bzw. öffnen sich selbst mehr und geben ihr Wissen preis. Agile Leader platzieren Entscheidungskraft dort wo das Wissen ist – Im Team. Diese Offenheit und die Kraft zu zugeben, dass andere etwas besser können und wissen, vereinfacht das Erlangen und Abspeichern von Wissen. Je offener jemand ist gegenüber anderen desto mehr kann er auch von ihnen lernen und das neu erlangte Wissen behalten. Wenn man die Fähigkeiten anderer abstreiten würde, könnten sie einem so viel beibringen wollen wie sie möchten – man würde nichts davon behalten.

 

Wissen Nutzen

Der nächste Schritt ist das erlangte und abgespeicherte Wissen auch zu benutzen. Das kann auf verschiedene Arten und Weisen passieren. Zum Beispiel, entweder benutzt man es schlichtweg jeden Tag im alltäglichen Arbeiten oder man ruft es in extra dafür angedachten Meetings hervor. Solche Treffen können einfache Zusammenkünfte oder spezielle Feedback-Kreise sein in denen man bewusst über gewisse Situationen nachdenkt und mit anderen Team-Mitgliedern zusammen darüber diskutiert und versucht Lösungen für Probleme zu finden.

Agile Methoden erschaffen Raum für die Nutzung von erlangtem Wissen indem es verschiedenste Treffen gibt, wie z.B. das alltägliche Stand-Up, Retrospektiven oder Scrum of Scrums. In solche Meetings diskutieren und reden Team-Mitglieder über ihre Aufgaben, vergangene und vor ihnen liegende Tage und dessen Probleme und Lösungen. Team-Mitglieder rufen nicht nur ihr eigenes Wissen ab, sondern auch jenes, dass sie in den letzten Tagen durch Kollegen im täglichen Job haben . Dieses können sie dann mit der Gruppe teilen. Der Rest des Teams kann dieses Wissen dann selbst auch abspeichern und es in ihrer alltäglichen Arbeit nutzen.

Team-Lernen ist, wie man sehen kann, ein immer weiter stattfindender Zyklus. Und genau dieser Aspekt ist die letzte Brücke, die wir zwischen Team-Lernen und agilen Methoden bauen: Andauernd. Im Flow. Durchgehend.

Warum ist es einfacher für ein agiles Team als Gruppe zu lernen?

Weil agile Team konstant wachsen und sich an Veränderungen anpassen. Agile Teams sollen im Flow sein und aufhören Dinge anzufangen sondern Aufgaben effektiv zu Ende bringen. Dazu müssen sie zusammenarbeiten und konstant weiter machen. Dieser agile Flow an sich fördert die Bereitschaft zu lernen und zu kollaborieren, denn ohne Interaktion kann das Team nicht durchgehend als eine Einheit effektiv arbeiten, geschweige denn Team-Ziele erreichen. Agile Teams können einfacher und schneller voneinander lernen und sich kontinuierlich entwickeln – und somit erfolgreich sein.

 

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