Appreciative Inquiry: Wie intelligente Fragen unsere Kommunikation verbessern können

Richtige Kommunikation ist so wichtig, und gleichzeitig oft sehr schwer. Emotionen, verschiedene Denkweisen und unterschiedliche Mindsets stehen einem effektivem miteinander kommunizieren oft im Weg. Resultat ist das Verschweigen gewisser Informationen und Emotionen und ein unwohles Gefühl in der Gruppe – und das ist ja noch lange nicht alles.

Und warum?

Weil man sein Gegenüber nicht richtig versteht, oder oft sogar komplett aneinander vorbeiredet. Nicht nur, dass man andere Leute oft missversteht, sondern man selbst fühlt sich auch oft nicht richtig wahrgenommen oder gar übergangen.

Dabei gibt es viele kleine Techniken, die genau solch einem Missverstehen entgegenwirken können – und das indem man „einfach“ freundliche, intelligente Fragen stellt.

Die Taktik der wertschätzenden und intelligenten Fragen nennt man ‚Appreciative Inquiry‘. Bevor wir jedoch den Teil mit der Wertschätzung erklären, fangen wir mit der Definition einer intelligenten Frage im Generellen an.

 

Inquiry als Kommunikations-Werkzeug

William Noonan (2007) beschäftigte sich unter anderem mit der Inquiry (Anfrage) basierend auf der Arbeit von Chris Agyris. Dieser diskutierte warum ‚Organisational Learning‘ oft so schwierig ist in Firmen und fand heraus, dass jeder Mensch gewisse Werte mit sich trägt. Die Kunst diese Werte für sich selbst zu definieren und Informationen die damit verbunden sind effektiv zu nennen, während man auf eine freundliche, dennoch bestimmte Art und Weise versucht die Werte der anderen herauszufinden (Inquiry), vereinfacht Kommunikation in Teams und Organisationen ungemein. Effektive Kommunikation wiederrum fördert ‚Organisational Learning‘. Denn nur wer offen miteinander sprechen kann und sich einander versteht, kann auch voneinander und gemeinsam lernen.

Noonan (2007) beschreibt die Ausübung von ‚Inquiry‘ wie folgt:

Inquiry ist die Fähigkeit gut verpackte Fragen zu stellen, welche aufdecken wollen, welche Informationen das Bild des anderen beeinflussen und welche Werte den inneren ‚Maßstab‘ des Gegenüber formen. Im besten Fall sind die Fragen so gestellt, dass sie die eigene Sichtweise herausfordern um durch den Blickwinkel des Gesprächspartners die eigene Denkweise noch erweitern können. Durch diese ‚Offenheit‘ und dem Wissen um des anderen Blinkwinkels, kann man verschiedenste Lösungen aus den verschiedensten Perspektiven betrachten und die Beste herausfiltern.

Richtig ausgeführt bedeutet das, dass man Probleme schneller erkennt und Fehler durch das kombinierte Wissen schneller beheben kann. Des Weiteren versteht man einander besser und kann unangenehme, emotionale Situationen umgehen bzw. besser lösen. Zu guter Letzt, lernt die Gruppe als solche auch mehr und schneller durch die Vielfältigkeit an Informationen, Sichtweisen und Verständnis füreinander.

 

Intelligente Fragen formulieren

Was bedeutet es intelligent zu fragen? Eine Frage zu stellen, die den anderen dazu ermutigt freiwillig Informationen und Werte seinerseits preiszugeben?

Es gibt gewaltige Unterschiede, wie man eine Frage formuliert. Z.b:

„Stimmt doch, oder?“ vs. „Wie siehst du das?“

Ersteres fragt nach Bestätigung und lenkt den Gesprächspartner in eine bestimmte Richtung. Zweiteres fragt aktiv nach seiner Meinung und hinterfragt die eigene Sichtweise. Schlaue Fragen helfen anderen sich frei zu fühlen ihre Gedanken zu äußern und vermeidet führende Fragen oder den Druck jemanden bestätigen zu müssen. Eine führende oder fordernde Frage führt lediglich dazu, dass der andere sich eingeschüchtert fühlt und defensiv wird. Das bringt jedoch keinerlei Mehrwert für die Konversation – Im Gegenteil.

Man kann auch einfach nach Beispielen fragen, den anderen bitten seinen Standpunkt zu erläutern und zu belegen. Schlaue Fragen sind immer eine Art ‚Challenge‘, die zum Ziel hat möglichst viele Informationen und Gedanken miteinander zu teilen.

Dies kann auch durch konkrete Fragen wie z.B. ‚Wie verstehst du die Situation bzw. meinen Standpunkt? Was würdest du anders machen, um das und das Ziel zu erreichen? Wie würdest du reagieren?‘

Im einfachsten Fall kann man auch immer auf die „Why, why“ Methode zurückgreifen. Diese ist genauso einfach wie sie klingt: Jemand sagt etwas und man fragt: Wieso? Derjenige antwortet und man fragt wieder: Warum denkst du so? Wieso ist das so? Weshalb wird das so gemacht? Man sollte jedoch nicht zu oft Warum hintereinander fragen – Dies kann dazu führen, dass der andere sich ab einem gewissen Punkt als unwissend oder unglaubwürdig dargestellt fühlt. Außerdem ist ein einfaches ‚Warum‘ auch nicht so stark wie eine ‚normale‘ intelligente Frage.

Noonan hat eine einfache Eselsbrücke gebaut: ASK.

Ask – Frag Fragen die den Grund und die Informationen dahinter offenlegen.

Search – Schau nach alternativen Blickwinkeln.

Keep – Bleib neugierig und lass dich nicht abwimmeln bzw. einfach abspeisen.

 

Wertschätzend in seinen Fragen sein

Neben dem ‚intelligenten‘ Aspekt in den gestellten Fragen ist es auch wichtig dem Gesprächspartner gegenüber respektvoll zu sein und seine Meinung bzw. Arbeit anzuerkennen. Keiner möchte das Gefühl haben er wird nicht ernst genommen.

Bei der wertschätzenden Inquiry geht es darum, dass anstelle von einem Fokus auf vergangene Fehler und Schwächen, man sich auf positive Aspekte und die jeweiligen Stärken konzentriert. Dadurch entdeckt man nämlich das vorhandene Potential und anstatt Probleme tot zu diskutieren, formuliert man Hindernisse in positive Änderungswünsche.

Dies ist deswegen so wichtig, da man dadurch eine negative Stimmung beim Gegenüber vermeidet und ihm oder ihr nicht das Gefühl gibt ‚Schuld‘ an etwas zu sein. Statt sich an Problemen aufzuhalten, arbeitet man zusammen an einer Lösung.

Auch in normalen Gesprächen, in denen kein akutes Problem vorliegt, spielt Wertschätzung eine große Rolle. Je mehr der andere das Gefühl hat, dass man sich seiner Leistung und seinen Fähigkeiten bewusst ist und diese schätzt, desto mehr ist derjenige bereit von sich preiszugeben. Und nur indem man Informationen und Gedanken von anderen kennt, kann man die beste Lösung finden und als Team lernen.

Des Weiteren vermeidet Offenheit im Gespräch auch den ‚Tunnelblick‘. Anstatt das gewisse Prozesse oder Gespräche in eine Richtung gelenkt werden, kann sich jeder frei äußern und neue Möglichkeiten und Potenziale eröffnen sich und können ausgeschöpft werden.

Es gibt jedoch keiner sein Potenzial zum Besten, der nicht auch das Gefühl hat das dies gewürdigt wird.

Dieser Ansatz klingt für viele selbstverständlich und naheliegend, schwindet jedoch häufig je länger man sich in einer Gruppe befindet. Man gewöhnt sich aneinander, entwickelt ein bestimmtes Bild von einander und widmet sich Aufgabe nach Aufgabe ohne Lob auszusprechen. Insbesondere in negativen Situationen ist letzteres oft tödlich.

Wertschätzende Inquiry bedeutet jedoch nicht, dass man Probleme nicht offen ansprechen kann. Man sollte dies sogar tun! Denn wie gesagt, nur durch offene Kommunikation kann das volle Potenzial ausgeschöpft werden. Man sollte jedoch immer darauf achten, dass man durch solche negativen Gegebenheiten und das festgefahrene Selbst- bzw. Gruppenbild nicht vorwurfsvoll oder selbst negativ wird, sondern positiv formulierte Änderungswünsche äußert und den anderen konstruktiv nach seiner Meinung fragt.

Mehr zur wertschätzenden Inquiry und den einzelnen Schritten, um diese noch erfolgreicher durchzuführen sprechen wir in einem unserer nächsten Artikel an. Ebenso das Gegenstück zu schlauen Fragen: Effektive Aussagen.

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