Der Unterschied zwischen Agile und Scrum – Teil 1

Agile ist einer der bekanntesten und verbreitetsten Begriffe in der heutigen Geschäftswelt. Scrum ist eine der populärsten Methoden um als Firma agil zu werden. Viele Organisationen denken, dass Agile mit Scrum gleichzusetzen ist. Dies stimmt allerdings nicht.

Wie bereits erwähnt ist Scrum einer der bekanntesten Methoden, die zurzeit benutzt werden, jedoch gibt es viele andere Frameworks, welche genauso agil sind wie Scrum. Wir möchten nun den Unterschied zwischen Scrum und Agile erklären, beginnend mit der agilen Denkweise. Agile ist eine Mentalität, keine Methode, welche man in Bücher nachlesen und im System einfach anwenden kann. Agiles Denken beschäftigt sich mehr mit den grundlegenden Werten und zu verstehen wie diese das alltägliche Verhalten beeinflussen. Ein tägliches Stand-Up Meeting abzuhalten, macht ein Unternehmen zum Beispiel noch lange nicht agil. Wir gehen nun Schritt für Schritt durch einige Aspekte, und erklären, wie diese das agile Mindset beeinflussen.

 

 

Leute im Team selbständig machen.

Agile zu sein heißt den Mitarbeitern Freiraum zur Selbstständigkeit zu geben und zu wachsen. Wachstum bedeutet, dass sie ihr Wissen weiterentwickeln können, lernen Entscheidungen zu treffen und geschäftliche Entscheidungen auf Team Level zu dezentralisieren. Letzteres heißt, dass man die Entscheidung dort trifft wo sich das Wissen befindet, denn die Mitarbeiter sind näher am alltäglichen Geschehen als jeder Manager und wissen deswegen oft Dinge, welche Manager nicht im Blickfeld haben. Achtung: Dezentralisierung und Bevollmächtigung der Mitarbeiter bedeutet nicht, dass man als Manager Verantwortung abgeben kann. Als agile Führungskraft ist man jederzeit verantwortlich für sein Team und dieses durch die agile Entwicklung zu leiten. Leute selbstständig zu machen, heißt jedoch, dass man ihre Fähigkeiten und Entscheidungen respektiert und ihre Vielfalt einbindet und wertschätzt. Respekt ist ein wichtiger Bestandteil agilen Denkens.

 

Weitermachen und dynamisch sein.

Agiles handeln dreht sich darum im ‚Flow‘ zu bleiben. Wenn etwas schief geht – nicht aufgeben – einfach weitermachen und nach einer Lösung suchen. Man darf sich nicht an Problemen aufhalten, sondern muss anfangen Lösungen zu finden. Dies bedeutet ‚Start-Stop-Start-Stop‘ Aktionen zu vermeiden. Misserfolg ist in Ordnung so lange man dynamisch bleibt und im ‚Flow‘. Dies bedeutet auch sich nicht zu übernehmen. Warteschlangen (zu viele Aktionen, denen man sich als Team ‚committed‘ hat und die darauf warten erledigt zu werden) sollte man unter allen Umständen vermeiden, denn diese sind ‚Flow-Killer‘. Man sollte nur Aufgaben bearbeiten, welche man basierend auf seiner vorhandenen Kapazität bewältigen kann und offen sein, falls sich etwas ändert. Das Umfeld ändert sich ständig und ist in konstanter Bewegung, genau das sollte man selbst auch.

 

Mehrwert erzeugen.

Dieser Aspekt ist vermutlich der logischste. Agiles Denken bedeutet, dass man konstant Mehrwert kreiert. Das agile Team sollte sich an bestimmten Zielen orientieren, welche es erreichen will und danach streben kontinuierlich Mehrwert für alle Beteiligten, den Kunden, die Organisation, und das Team selbst, zu erzeugen. Mehrwert bedeutet z.B., dass man in der Lage ist ‚on demand‘ jederzeit ein nutzbares Projekt liefern zu können. Projekte werden nicht komplett vorab plant, sondern eher als permanenten Lern- und Entwicklungsprozess sieht. Um jedoch in der Lage zu sein konstant zu lernen und sich zu entwickeln, muss man in agilen Projekten Zeit- und Budgetbedingungen klar definieren, oder in anderen Worten: Die Kapazität feststellen. Kapazität ist nicht nur wichtig um möglichst schnell, möglichst viel Mehrwert zu liefern, sondern auch um Warteschlangen zu vermeiden und im ‚Flow‘ zu bleiben. Mehrwert Kreation und ‚Flow‘ sind stark miteinander verbunden.

 

Als Team denken.

Dieses Prinzip ist eines der wichtigsten im agilen Denken. Ein agiles Mindset anzunehmen bedeutet, dass man nicht länger nur an sich als Person denkt oder das Team als Gruppe von einzelnen Personen sieht. Eine agile Denkweise zu haben, heißt, dass man sich selbst als Teil eines Teams sieht, welches nicht nur eine Gruppe, sondern eine verbundene, kollaborative Einheit ist, wessen Ziel der gemeinsame Erfolg ist. Team-Erfolg kann man allerdings nur haben, wenn jeder an einem Strang zieht und sich komplett dem Team-Ziel hingibt. Jeder, der sich auf den Schultern seiner Team-Kollegen ausruht, steht dem vollen Potenzial des Teams im Weg. Die agile Welt besteht weniger aus Einzelkämpfern, sondern mehr aus Team-Kollegen, die auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten. Dies klingt vielleicht ein bisschen surrealutopisch, liegt jedoch lediglich an der Art und Weise wie man sein Ziel (individuell oder als Team) definiert und wie man seine Kollegen betrachtet (nur als andere Team-Mitglieder oder als Partner, mit denen man eine gemeinsame Einheit bildet).

 

Offen sein für ehrliche Kommunikation.

Fähig zu sein, miteinander zu kommunizieren ist auch einer der wichtigste Grundsatz agilen Denkens. Ein agiles Mindset zu entwickeln ist nicht möglich, wenn man Angst hat mit anderen Leuten ehrlich zu sprechen. Offene Kommunikation bedeutet, dass man keine Angst haben muss andere Menschen um Hilfe zu bitten, und ebenso andere nicht verurteilt, wenn sie einen selbst um Rat fragen. Offene Kommunikation heißt auch, dass man über Probleme und Misserfolge spricht, ohne jemanden zu beschuldigen oder mit dem Finger auf jemanden zu zeigen. Offene Kommunikation bedeutet, dass man ehrlich mit seinen Kollegen umgeht und ihnen keine Steine in den Weg legt nur um selbst besser dazustehen. Man akzeptiert, wenn andere Leute etwas besser können als man selbst und ihre Stärken und Schwächen wertschätzt, diskutiert und schaut wie sie das Projekt beeinflussen können und sollen. Leute die offen kommunizieren können, sind kritisch und anerkennend zur gleichen Zeit. Ehrlich und offen mit den anderen im Team und in der Organisation zu sprechen, ist das Wichtigste und Schwierigste zugleich in einer agilen Lebensweise. Misserfolg ist eine Möglichkeit, um zu lernen und besser zu werden. Gespräche über solche Misserfolge zu verhindern, verursacht lediglich einen schlechteren ‚Lern-Flow‘.

 

Das innovative Denken leben.

Die meisten Menschen kennen den Satz: ‚Lebe was du sprichst. Dein Verhalten und deine Aussagen müssen übereinstimmen‘. In der agilen Denkweise ist es jedoch nicht genug, Verhalten und Aussagen gleich zu setzen, sondern das Ganze soll so innovativ wie möglich sein. Dies bedeutet, dass man Raum für Kreativität schafft und andere Leute nicht bloßstellt, wenn etwas nicht klappt. Als Führungskraft, soll man die Leute dazu bringen, mal ihren Schreibtisch zu verlassen, soll man sich selbst dazu bringen, mal das Büro zu verlassen, um Freiraum zu haben, innovative Ideen zu haben und seinen Blickwinkel zu erweitern. Diese innovativen Ideen jemandem zu erzählen reicht jedoch nicht, man muss sie dann auch leben.

 

Intrinsische Motivation unterstützen.

Der letzte Aspekt eines agilen Mindset ist stark verbunden, damit seine Leute selbstständig zu machen. Als Führungskraft, sollte man der intrinsischen Motivation jedoch gesondert Aufmerksamkeit widmen, da Dezentralisierung der Aufgaben und Entscheidungen aufs Team-Level nicht genug ist. Agile ist eine Art zu denken und zu leben, und keine solche Denkweise kann überleben, wenn sie nicht auch durch intrinsische Faktoren motiviert wird. Kernaspekte sind hier: Anerkennung, Vertrauen und Inspiration. Erkennen Sie den Einsatz und das Wissen Ihrer Mitarbeiter an und geben Sie den Menschen das Gefühl, Teil von etwas Bedeutendem zu sein. Man sollte als Führungskraft nicht alles alleine entscheiden. Viele Leader tendieren dazu, die endgültige Entscheidungskraft zu behalten. Dies resultiert jedoch in einer psyschichen Barriere für die Mitarbeiter, welche dadurch zögerlich bleiben und nicht ihr komplettes Wissen einbringen. Wichtig ist auch ein Arbeitsplatz, in welchem man sich gegenseitig vertraut und sich jeder öffnen kann. Inspirieren Sie ihre Mitarbeiter, indem Sie eine Führungskraft sind, welche Sie sich selbst als Mitarbeiter wünschen und bringen Sie die Mission, Vision und Ziele des Teams zusammen.

 

Wie man sieht ist Agile eine sehr inspirierende und dynamische Denkweise. Es gibt viele Methoden, welche man anwenden kann um agil zu werden. Eine davon ist Scrum, jedoch ist Scrum ein System, welches wiederrum sehr unterschiedlich ausfallen kann, abhängig davon wie stark das agile Mindset der Mitarbeiter ausgeprägt ist. Agile ist daher nicht dasselbe wie Scrum, sondern viel eher eine grundlegende Einstellung der Leute im Team.

 

Schauen Sie im neuen Jahr wieder rein um den zweiten Teil dieses Artikels zu lesen!

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