Der Unterschied zwischen Agile und Scrum – Teil 2

Agile und Scrum sind zwei sehr bekannte Begriffe in der heutigen Geschäftswelt. Im ersten Teil, Ende Dezember letzten Jahres, haben wir bereits angefangen den Unterschied zwischen den beiden zu verdeutlichen. Agile ist eine Denkweise welche ihren Fokus auf Kommunikation, Team-Denken, intrinsischer Motivation, Selbstständigkeit des Teams, innovatives Handeln, Flow und Mehrwert zu erzeugen, legt. Worum geht es dann bei Scrum?

Scrum ist keine spezielle Denkweise, sondern eine Methode wie man Projekte, Prozesse und komplizierte Aufgaben angehen kann. Es ermöglicht den Leuten in diesen Projekten und Prozessen, selber zu entscheiden und zu handeln und fördert Kreativität und Produktivität. Scrum als Methode vereinfacht effektive Kollaboration innerhalb des Teams in Situationen wo die Produkt-Entwicklung kompliziert ist. In drei Wörtern, Scrum ist:

  • Leichtgewichtig
  • Einfach zu verstehen
  • Schwierig um zu setzen

 

Diese drei Wörter spiegeln sich auch in den drei fundamentalen Säulen von Scrum wieder, welche sind:

  1. Transparenz
  2. Überprüfbarkeit
  3. Anpassung

Transparenz. Jeder Aspekt eines Prozesses muss deutlich und sichtbar sein für jedes einzelne Team Mitglied. Transparenz bedeutet, dass alle Prozesse umgesetzt und angepasst werden basierend auf einem gemeinschaftlich bestimmten Standard, einer Prozesssprache und akzeptieren Methoden und Zielen.

Überprüfbarkeit. Der Prozess muss kontinuierlich überprüft werden und Hindernisse müssen schnell identifiziert und behoben werden. Jeder, der ein Teil des Prozesses ist, muss aufpassen, dass Probleme entdeckt und beseitigt werden.

Anpassung. Falls Probleme oder Abweichungen entdeckt werden, müssen diese sofort behoben werden, um den Qualitätsstandard zu halten. Events wie z.B. Daily Scrum, Scrum Review oder die Sprint Retrospektive dienen als zusätzliche Möglichkeiten den Prozess anzupassen. 

Es gib verschiedene Rollen, Artefakte, Events und Regeln in Scrum. Trotzdem ist Scrum unkomplizierter als gewöhnliche Projektmethoden, da Abläufe und Elemente klar definiert und verbunden sind innerhalb Scrums.  Aber wie genau funktioniert Scrum?

 

Weiter unten ist die entsprechende Scrum-Methode abgebildet. Es beginnt mit dem Product Backlog, welches eine Liste von Funktionen, Verbesserungs-Möglichkeiten und Problemen des Produktes darstellt. Diese sind priorisiert und in einen Rang eingereiht. Das Product Backlog wird vom Product Owner verwaltet.

 

Das Product Backlog ist die Basis für den nächsten Schritt: Das Sprint Planning. Im Sprint Planning wird die Arbeit der nächsten vier Wochen geplant. Solche Pläne sind in Scrum immer noch zu einem gewissen Grad flexible, falls etwas angepasst oder verändert werden muss im Laufe des Projektes. Alle Mitglieder des Scrum Developer Teams helfen diesen Plan zu entwickeln. Der Scrum Master unterstützt die Entwicklung und stellt sicher, dass alle Aktionen und Pläne der Scrum-Methode entsprechen. Während des Sprint Plannings definiert das Team (a) was ist das gewünschte Product Increment am Ende des Sprints, und (b) was muss getan werden, um dies zu erreichen?

Elemente, welche während des Sprint Planning definiert wurden, werden im Sprint Backlog niedergeschrieben. Das Sprint Backlog ist eine Art In-Progress-To-Do-Liste. Jedes Developer Team nimmt so viele To-Dos wie möglich in die alltägliche Arbeit auf, jedoch nur solange wie ihre Kapazität nicht größer als ca. 80 % beträgt. Eine höhere Auslastung würde der Flexibilität und dem Flow im Wege stehen.

Neben dem alltäglichen Erledigen der Sprint Backlog Einträge, gibt es die Daily Stand-Up Meetings jeden Morgen. Diese dauern ca. 15 Minuten. Es ist wichtig, dass man solche Scrum Events durchführt und jeder des Teams daran teilnimmt, um deren volles Potenzial zu erreichen. Daily Scrum Stand-Up Meetings geben Raum für Diskussionen und Echt-Zeit-Planen. Das Developer Team kann dann schauen wie weit sie gekommen sind, was sie geschafft haben, und was noch zu tun ist innerhalb der nächsten 24h und im restlichen Sprint. In den Daily Meetings können Probleme und deren Lösungen gefunden werden. Um etwas Stabilität im gesamten Prozess zu haben, sollten solche Daily Meetings immer zur gleichen Zeit und am gleichen Ort stattfinden. Jeder sollte sich selbst fragen, was er oder sie erreicht hat und wie er oder sie in Zukunft sein Team unterstützen kann, um die gemeinsamen Ziele zu erreichen. Falls Themen nach den 15 Minuten noch nicht geklärt sind, ist jeder eingeladen für ein after Scrum Treffen zu bleiben. In diesem können verschiedene Anliegen dann vertieft und ausdiskutiert werden. Es ist die Aufgabe des Scrum Master sicherzustellen, dass Scrum Events stattfinden und die Team Mitglieder lernen in der vorgegebenen Zeit zu bleiben. Das Treffen selbst wird vom Developer Team durchgeführt. Zu lernen wie man solche Treffen effektiv nutzen kann, ist Teil der Scrum-Methode.

Am Ende eines jeden Sprints gibt es die Sprint Review (Sprint Demo). In dieser wird das Product Increment vorgestellt, überprüft und angepasst, wenn nötig. Während der Sprint Review arbeitet das Developer Team zusammen mit anderen Stakeholdern. Die daraus resultierenden Diskussionen im Sprint Review dienen dazu, neue Produkt-Eigenschaften zu definieren, die in das Prduct Backlog aufgenommen und im nächsten Sprint bearbeitet werden. Dadurch wird das Produkt stetig verbessert und dennoch Mehrwert für den Kunden erzeugt, da regelmäßig ein Product Increment vorliegt. Weiterhin, wird im Sprint Review vom Product Owner zusammen mit dem Developer Team festgelegt, welche Elemente aus dem Product Backlog als ‚Done‘ bezeichnet werden können. Um dies tun zu können, muss das Team sich vorher auf eine ‚Definiton of Done‘ geeinigt haben. Diese ‚Definiton of Done‘ beschreibt welche Anforderungen an das Produkt oder den jeweiligen Sprint erfüllt sein müssen. Dieses Vorgehen sichert eine konstant hohe Qualität, welche Vorgänge beinhaltet wie Testing, Demos, und Dokumentation.

Nach dem Sprint Review / der Sprint Demo hat man ein Product Increment. Ziel von Scrum ist es, am Ende eines Sprints immer ein einsatzfähiges Product Increment zu haben um ‚auf demand releasen zu können‘. Flexibilität, viel Kollaboration und Kommunikation im Prozess, sowie kontinuierliche Entwicklung ermöglichen ein qualitativ hohes ‚Release on Demand‘.

Der letzte Schritt in Scrum ist die Retrospektive. In der Sprint Retrospektive wird diskutiert, Feedback gegeben und mögliche Punkte zur Verbesserung identifiziert. Retrospektiven werden oft unterschätzt und nicht korrekt ausgeführt. Dies ist jedoch zum Nachteil des Teams und Produktes, da Retrospektiven von großem Nutzen sein können, um zu lernen und sich im nächsten Sprint zu verbessern. Kontinuierliches Verbessern ist Teil von Scrum und sollte insbesondere am Ende eines Sprints in Form einer Retrospektive vorliegen.

All diese Schritte sind Teil von Scrum. Wenn man sie einmal verstanden hat und ihnen folgt, ist Scrum ganze einfach. Scrum ist eine tolle Methode, um flexible zu bleiben und trotzdem einen Plan zu haben. Scrum ermöglicht es konstant Mehrwert zu erzeugen und dem Team Selbstständigkeit und Entscheidungsmacht zu geben. Aufmerksame Leser haben wahrscheinlich schon festgestellt inwiefern Scrum und Agile zusammenpassen und wieso sie so oft miteinander verwechselt werden. Wir werden das Zusammenspiel von Scrum und Agile in Zukunft weiter erläutern.

Falls Sie mehr über Scrum lesen möchten, schauen sie sich den Scrum Guide von Ken Schwaber und Jeff Sutherland (2013) an oder kontaktieren Sie uns! Wir sind froh, wenn wir Ihnen zur Seite stehen können!

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