Die Balance zwischen Advocacy und Inquiry

Vor einiger Zeit haben wir die Kunst der intelligenten Fragen (Inquiry) und starke Aussagen (Advocacy) in Artikeln diskutiert. Doch letztendlich ist beides wichtig, um das volle Potential einer Konversation auszuschöpfen und miteinander zu kommunizieren. Wie findet man die richtige Balance zwischen beiden und wie verbindet man diese? Und wieso ist die richtige Balance so wichtig?

 

Wichtigkeit der richtigen Balance

In den anderen Artikeln haben wir bereits angedeutet warum es wichtig ist Inquiry und Advocacy zu benutzen. Intelligente Fragen helfen mehr Informationen über den Standpunkt des Gegenübers zu erfahren und dementsprechend zu agieren und informierter Entscheidungen zu treffen. Starke Aussagen hingegen helfen den eigenen Standpunkt objektiv und effektiv zu vertreten und dem Team zu helfen, einen zu verstehen und wiederrum entsprechend die neu gewonnen Informationen zu verarbeiten und besser zu agieren.

Die Benutzung von beiden Kommunikations-Werkzeugen ermöglicht dementsprechend einen gegenseitigen Informations-Austausch und somit gemeinsames Lernen und Wachstum und Weiterentwicklung als und im Team. Ideen für neue Vorgehensweisen oder Lösungen sind somit nicht nur von einer Person benannt und akzeptiert vom Team, sondern können somit gemeinsam entwickelt und verbessert werden durch kollektives und kreatives Denken. Je größer die verfügbare Wissensbasis desto besser können Entscheidungen getroffen und Prozesse optimiert werden.

Dies erfordert, dass Team Mitglieder offen und objektiv kommunizieren. Wie bereits in den anderen Artikeln erwähnt, ist es wichtig zu realisieren, dass der eigene Blickwinkel nie komplett ist und erst mit Hilfe der Informationen der anderen Team Mitglieder eine optimale Lösung gefunden werden kann. Das heißt nicht, dass man selbst immer falsch liegt, jedoch hilft es andere Perspektiven zu betrachten, welche selbst wenn der eigene Ansatz richtig ist, ihn dennoch erweitern können und somit noch mehr erreicht werden kann. Indem man offen ist und beide Werkzeuge bewusst benutzt, entstehen win-win-Konversationen, in denen jeder an Wissen dazu gewinnen und das Team bzw. Projekt als solches optimiert werden kann.

Offen sein ist das A und O. Es verhindert auch emotionale Konflikte oder technisches Missverstehen, wobei Leute annehmen, das Gegenüber hat die gleiche Denkweise bzw. Informationen, wenn dies jedoch nicht der Fall ist. Wie auch bei anderen Problemen, führen auch diese kommunikativen Missverständnisse zu Problemen, wenn sie zu spät entdeckt sind. Auch kommunikative Probleme können fatal enden. Also einfach direkt richtig kommunizieren!

 

Die Balance finden

Advocacy und Inquiry zu balancieren heißt zunächst schlichtweg das wonach es klingt: Keins von beiden zu viel anwenden, sondern beides in den gleichen Ausmaßen. Das klingt einfach, ist es aber oft nicht.

Wenn jemand eine andere Meinung hat, fühlen wir uns oft angegriffen und wollen unbedingt unseren Standpunkt vertreten, anstatt den anderen zu verstehen und gemeinsam zu überlegen wie man aus beiden Sichtweisen das Beste zusammenführen kann.

Wenn jemand unseren Standpunkt hinterfragt, fühlen wir uns oft nicht ernst genommen oder als würde der andere andeuten wollen, dass unsere Sichtweise nicht richtig ist, anstatt dem anderen zu helfen uns zu verstehen und gemeinsam zu wachsen.

Es ist offensichtlich, dass oftmals unsere Emotionen einer ausgewogenen Kommunikation im Wege stehen und genau deswegen ist die Balance nicht so einfach wie sie klingt. Man muss sich dessen bewusstwerden und anstatt seine Meinung zwanghaft ‚beschützen‘ zu wollen, ruhig, offen und – insbesondere – sachlich bleiben. In den seltensten Fällen ist eine Frage oder eine andere – vielleicht sogar kontroverse – Meinung angreifend gemeint. Und selbst wenn – bringt ein emotionaler Konflikt keinem einen Mehrwert, einem persönlich nicht, dem Team nicht und der Effizienz und dem Erfolg des Projektes erst recht nicht.

Advocacy und Inquiry zu balancieren muss dennoch kein erzwungenes 50:50 sein. Es sollte lediglich kein 90:10 oder 80:20 sein. Und wie oben erwähnt kein mühsames verteidigen oder rechtfertigen. In einer gesunden Konversation braucht man sich nicht verteidigen oder rechtfertigen, lediglich den Standpunkt mit Fakten darlegen und offen sein für neue Ideen. Diese Umstellung ist schwierig am Anfang, da die emotionalen Aspekte schlichtweg menschlich und tief in uns verankert sind, wenn man jedoch bewusst die Techniken benutzt, bekommt man mit der Zeit ein Gefühl dafür bis es irgendwann ganz normal ist.

Ein Schlüsselwort, welches ich besonders passend in dem Kontext finde, ist: Produktive Herausforderung. Dies bedeutet, den eigenen Blickwinkel herauszufordern und gleichzeitig andere nach dem Ihren zu fragen und somit ihr Wissen hervorlocken und produktiv miteinander zu gestalten und zu lernen.

Das folgende Bild fasst die Balance von intelligenten Fragen (Inquiry) und starken Aussagen (Advocacy) grafisch zusammen:

(Quelle: Noonan, 2007)

 

Advocacy und Inquiry bedeuten mehr als nur seinen Standpunkt sagen und Fragen zu stellen. Dies sind Werkzeuge, um uns selbst und andere herauszufordern, miteinander zu wachsen und zu lernen, offen und ehrlich miteinander zu kommunizieren und zu interagieren ohne sich emotional verletzt zu fühlen.

Effektiv ausgeführt können diese uns und das Team weit bringen und Erfolge optimieren. Am Anfang dieser Artikel-Serie bzw. während dem Lesen hat bestimmt jeder gedacht: ‚Ist doch alles selbstverständlich und offensichtlich‘. Je mehr man jedoch darüber nachdenkt, desto stärker fällt einem auf – keiner macht das so wirklich im echten Leben, obwohl es so viel ändern kann.

Deswegen: Redet miteinander. Lernt miteinander. Fordert euch selbst und andere heraus. Wachst als Team!

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