Feedback gekonnt erhalten und effektiv nutzen

Vor einiger Zeit haben wir einen Artikel über gutes Feedback und die Motivation Ihrer Mitarbeiter veröffentlicht. Es liegt jedoch nicht allein in den Händen des Feedbackgebers, ob eine Feedback-Sitzung einen Mehrwert erbringt. Je offener der Empfänger ist und je aktiver er zuhört und das erhaltene Feedback im Alltag anwendet und nutzt, desto wirksamer sind Retrospektiven auf lange Sicht.

Psychologen haben entdeckt, dass Feedback oft als Kritik wahrgenommen wird – Kritik, die unser Grundbedürfnis uns sicher zu fühlen, bedroht. Aus psychologischer Sicht kann Feedback demnach eine tatsächliche Bedrohung für unseren grundlegenden Überlebenssinn darstellen. Deshalb ist es so schwierig, Feedback zu erhalten. Ein offenes und ermutigendes Umfeld kann es den Mitarbeitern erleichtern, sich wohl und sicher zu fühlen und damit Feedback annehmen zu können. Wir gehen nicht im Detail darauf ein, wie ein solches Umfeld geschaffen werden kann. Wir gehen vielmehr davon aus, dass Menschen sich ihrer Denkweise bewusst sind und sich mit der Zeit aktiv öffnen und versuchen, Abwehrmechanismen zu vermeiden. Mit einem entsprechendem Mindset – wie können sie nun auf eine gute und konstruktive Weise Feedback empfangen?

 

Die Wahrheit akzeptieren

Forscher (z.B. Charles Jacobs) fanden heraus, dass Menschen, wenn sie Feedback erhalten, dazu neigen, die Wahrheit anzupassen, wenn diese mit ihrem Selbstbild in Konflikt steht. Es ist schwierig, Feedback zu akzeptieren, welches dazu führt, dass man sich selbst ändern muss. Psychologen fanden heraus, dass wir eher die erhaltenen Informationen verändern als unser Verhalten oder unsere Handlungen. Wenn man jedoch den wahren Wert von Feedback versteht, erkennt ein “guter Empfänger” nicht nur an, dass Retrospektiven an sich einen Mehrwert erbringen. Er versteht auch, dass besagte Kritik eher eine Gelegenheit zur persönlichen Entwicklung und zum Lernen bietet, als dass diese ein Angriff auf die eigene Persönlichkeit ist.

Ein guter Feedback-Empfänger zu sein, bedeutet, dass man anerkennt, dass Feedback nicht dazu gedacht ist, zu verletzen. Man sollte es als das akzeptieren, was es ist: Eine Gelegenheit zum Lernen und zur Weiterentwicklung.

Aktives Zuhören kann den Lernprozess verbessern und den Wert Ihres Feedbacks erhöhen. Es gibt verschiedene Techniken, wie Sie effektiv zuhören und verstehen können, was Ihr Gesprächspartner Ihnen sagt. Wertschätzende Nachfrage (Inquiry) ist eine davon. Weitere Einzelheiten finden Sie in unserem entsprechenden Artikel.

Wenn Sie jedoch Zeit zum Nachdenken brauchen, scheuen Sie sich nicht, dies zu sagen. Aktives Zuhören ist die eine Sache, die andere ist es, wirksam zu reflektieren und über das gerade Gehörte nachzudenken. Wenn Sie zum Reflektieren mehr Zeit brauchen, teilen Sie dies der anderen Person mit und vereinbaren Sie, wenn nötig einen weiteren Termin zur gemeinsamen Retrospektive.

 

Seien Sie offen für andere Ansichten

Das bedeutet mitunter, dass wir für die Meinungen anderer Menschen offen sein sollten. Wenn jemand unsere Handlungen als falsch und unser Verhalten als unangebracht empfindet, sollten wir die zugrunde liegende Argumentation des Gegenübers herausfinden. Eventuell sind die Aussagen unseres Gesprächspartners doch nicht so falsch oder unbegründet wie wir zunächst dachten… Und selbst wenn das empfangene Feedback auf nicht rationalen Argumenten beruht, versucht ein guter Feedback-Empfänger, die mit der Aussage verbundenen und dahinter liegenden Emotionen des Gegenübers zu verstehen.

Natürlich sollte das Feedback neutral sein und auf Tatsachen beruhen, aber in Wirklichkeit ist es das leider nicht immer. Das bedeutet jedoch nicht, dass es nutzlos ist – nicht rationales Feedback kann interessante Einblicke in das Denken eines Anderen bieten und somit das Verständnis füreinander fördern.

Offen zu sein für den Standpunkt einer anderen Person kann an sich schon einen großen Mehrwert schaffen und zur Entwicklung eines produktiveren Teams beitragen. Wenn die Teammitglieder ein tieferes Verständnis für die Emotionen des Anderen gewinnen, kann das gesamte Team als Gruppe stärker zusammenwachsen und sich gegenseitig besser unterstützten.

 

Feedback nicht als Bestrafung empfinden

Aufgrund einer natürlichen Negativitätsverzerrung wird negatives Feedback stärker wahrgenommen. Daher bleibt negatives Feedback immer leichter in unserer Erinnerung haften als positives Feedback, und dies gibt uns dann auf Dauer ein schlechtes Gefühl.

Wenn Sie Feedback effektiv nutzen wollen, versuchen Sie, es als eine Möglichkeit zu sehen, um zu wachsen. Selbst wenn es so scheint als ob Sie viel mehr negatives Feedback erhalten als positives, versuchen Sie, es für sich selbst zu nutzen. Sehen Sie es z.B. als Chance, um Ihr persönliches Wachstum zu fördern und Ihre individuelle wie auch die Leistung des Teams zu steigern.

Dies bedeutet nicht, dass die Kritik nicht angemessen und wahr sein könnte. Akzeptieren Sie die Tatsache, dass Menschen Fehler machen, und denken Sie daran – Sie sind auch nur ein Mensch. Fehler zu machen ist normal und völlig in Ordnung, und übrigens: es ist gesund für Ihre Entwicklung! Nur durch Ausprobieren, Scheitern und daraus Lernen ist Wachstum möglich.

Wenn Sie also eine Menge “negatives” Feedback erhalten, dann fühlen Sie sich nicht bestraft, sondern seien Sie offen und nutzen Sie es, um eine bessere Version von sich selbst zu werden.

 

Bitten Sie oft um Feedback

Ein guter Anfang zur Überwindung unserer natürlichen Negativitätsverzerrung ist es, sich einfach daran zu gewöhnen Feedback zu erhalten, indem wir oft darum bitten. Beginnen Sie mit den Menschen, denen Sie vertrauen und mit denen Sie leicht und frei kommunizieren können. Bitten Sie diese Leute um Feedback. Vielleicht können Sie sogar einen Mentor finden, bei dem Sie sich sicher fühlen und der Ihnen durch den Prozess helfen kann.

Wenn Sie sich immer noch unbehaglich fühlen, können Sie sich auf eine Feedback-Sitzung vorbereiten, indem Sie einige Fragen vorab ausformulieren. Diese stellen Sie dann Ihren Kollegen und leiten somit die Sitzung (und die Feedbackthemen) aktiv selbst. Dies kann Ihnen helfen, sich mit einer Retrospektive vertraut zu machen. Im Laufe der Zeit fühlen sie sich sicherer, können loslassen und auch ohne Fragen ins Feedback-Treffen gehen

Folgend einige Beispiele und Hilfen für Fragen während einer Retrospektive:

 

  1. Bereiten Sie sich auf Feedback-Treffen vor.

Formulieren Sie Fragen oder werden Sie vorher innerlich ruhig vor der Retrospektive, vermeiden Sie es emotional aufgewühlt zu sein.

 

  1. Bleiben Sie beim Empfangen des Feedbacks neutral.

Sie müssen sich nicht schon am Anfang wahnsinnig über jegliches Feedback freuen. Versuchen Sie einfach, zunächst neutral zu bleiben und vor allem negative Gefühle zu vermeiden.

 

  1. Erinnern Sie sich selbst immer wieder daran, dass Feedback eigentlich eine gute Sache ist.

 

  1. Hören Sie Ihrem Gesprächspartner aktiv zu (je früher im Gespräch, desto besser).

 

  1. Seien Sie offen für die Sichtweise des anderen und berücksichtigen Sie diese.

Selbst wenn es Ihr Kumpel aus dem Nachbarbüro ist und Sie sich unwohl fühlen, “von Ihrem Kumpel beurteilt zu werden” – wenn Sie wirklich wachsen wollen, wer könnte Ihnen besser beim Lernen helfen als Jemand, der tagtäglich mit Ihnen arbeitet?

 

  1. Bleiben Sie ruhig.

Lassen Sie sich während des Gesprächs nicht aufregen und vermeiden Sie es emotional zu werden. Wenn Sie sich unbehaglich fühlen und es nicht mehr aushalten können, teilen Sie es der anderen Person mit.

 

  1. Fragen Sie nach Beispielen.

Wenn Sie der Meinung sind, dass eine Bemerkung oder ein Feedback nicht gerechtfertigt ist, fragen Sie Ihren Gesprächspartner nach Beispielen und konkreten Verbesserungsvorschlägen.

 

  1. Nehmen Sie sich Zeit zum Nachdenken.

Wachstum ist ein Prozess der Schritt für Schritt mit der Zeit voran geht. Wie bereits gesagt: Wenn Sie das Gefühl haben, ‚genug‘ Feedback bekommen zu haben und das Empfangene erst einmal verarbeiten müssen, nehmen Sie sich die Zeit, um aktiv darüber nachzudenken. Vereinbaren Sie gegebenenfalls einen neuen Termin für eine weitere Feedback-Sitzung.

 

  1. Seien Sie dankbar.

Selbst wenn Sie die Sitzung vorzeitig beenden müssen, seien Sie dankbar für die Zeit und die Einsichten der anderen Person. Die Anderen wollte Sie nicht verletzen, sondern Ihnen helfen, als Team und individuell zu wachsen und sich zu verbessern.

 

  1. Akzeptieren Sie bei der Reflexion sich selbst, Fehler und auch die Denkweise des anderen.

Sie sollten weder sich selbst runterziehen (Ich bin so ein Verlierer…) noch gegen einen Fehler argumentieren und sich stets rausreden (der Andere muss das vollkommen falsch interpretiert haben!). Schieben Sie es nicht auf andere. Lernen Sie aus Ihren Fehlern.

 

Wir hoffen, dass dies dazu beiträgt und Ihnen hilft effektives Feedback zu erhalten. Versuchen Sie, Ihren Weg zu finden, um Feedback zu akzeptieren und daraus zu lernen. Versuchen Sie es, scheitern Sie und lernen Sie – haben Sie keine Angst, sich zu öffnen und sich Ihren Fehlern zu stellen! Feedback ist dafür da, damit Sie und Ihr Team noch besser werden können! Oder wie die Psychologin Karrisa Thacker sagte: “Kontinuierliches Experimentieren ist die neue Normalität” 😉

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