Warum Planwirtschaft scheitert und wir es trotzdem immer wieder versuchen

Wer braucht schon Chaos oder Ungewissheit? Planen und Organisieren sind doch toll, oder? Alles schön geordnet zu haben erleichtert einem ja nun wirklich das Leben und nehmen uns die Ungewissheit. Das dachten sich die sowjetischen Führungskräfte im Osten damals auch und fragten sich: Wieso nicht unsere gesamte Nation durchplanen? Erleichtert uns doch das Leben!

Dementsprechend denkt ja auch jeder, der an die DDR denkt:  Gut durchgeplant! Strikt organisiert! Strengstens koordiniert! Hellseherische Fähigkeiten, die vorher sagen was die nächsten fünf Jahre passiert! Ehm… Moment…?

Manch einer wird sich jetzt fragen, warum wir eine kleine Zeitreise an den Tag legen. Oder warum ich die Zeit vor dem Mauerfall als hellseherischen Super-Plan des Ostens bezeichne.

Eins nach dem anderen.

Worauf basierte denn der damalige Osten? Grundprinzip war die zentrale Planung und Koordination jeglicher Güterproduktion und die entsprechende Verteilung. An sich war das ja praktisch gedacht – Man plant fünf Jahre voraus, weiß genau was passiert und kann dementsprechend agieren. Ja… Nein!

So funktioniert es eben nicht, wie die Geschichte bewiesen hat. Zu dem Zeitpunkt, als die Mauer fiel, war das Land sowohl moralisch als auch ökonomisch am Ende. Die Betriebe waren veraltet, Die Leute unmotiviert, und die östliche Produktivität war wesentlich niedriger als die westliche. Wieso?

7 Gründe warum niemand der dort damaligen Pläne effektiv fünf Jahre in die Zukunft funktionieren konnte:

  1. Eine riesige, vorherrschende Bürokratie, die jeglicher schnellen und flexiblen Reaktion im Weg stand.
  2. Fehlende Abstimmung zwischen den Betrieben. Da die Zentrale alles vorgab, kam es oft zu Wartezeiten oder Stau in der Produktion wegen nicht bedachter Abhängigkeiten zwischen einzelnen Unternehmen.
  3. Keine Motivation und dementsprechend keine Innovation. Fehlende Tradition (längst existierende Betriebe wurden enteignet) resultierte in fehlendem Leistungsinteresse. Hinzu kamen die Vorgaben das System, die jeglichen Anreiz zum kreativ denken nahmen.
  4. ‚Fake‘ Effizienz. Viele Stellen waren doppelt besetzt und Leute in der Firma angestellt, die man gar nicht brauchte. Es gab keine Arbeitslosen, da alle Zwangsbeschäftigt waren, auch wenn Stellen doppelt oder dreifach besetzt wurden.
  5. Marode Anlagen, Umweltbelastungen durch alte Maschinen und Versorgungsengpässe, welche die Arbeit und Menschen weiter belastete
  6. Flucht aus dem durchstrukturierten Osten in den Markt-fokussierten Westen, wodurch die gut ausgebildeten Arbeitskräfte verloren gingen, die im Westen besser verdienen und leben konnten.
  7. Fehlende Identifikation mit dem System führte dazu, dass Leute unmotiviert waren und ineffizient arbeiteten.

Im Großen und Ganzen klaffte also ein riesiger Spalt zwischen Plan und Realität. Wenn man aber natürlich die nächsten 5 Jahre fix hat, ist dies schwer wahr haben zu wollen oder gar zu verändern.

Es fehlten Anreize für die Firmen zu verbessern und Innovation zu fördern, da diese nicht pleitegehen konnten – Ihr Verdienst war ja staatlich sichergestellt. Somit gab es keinen Strukturwandel. Gleichzeitig fehlte es den Leuten im Osten an Motivation.

Wieso auch? Es spielte ja eh keine Rolle. Oben saßen 2500 Mitarbeiter der staatlichen Plankommission und gab vor wer was zu tun hatte.

So oder so gab es genügend Gründe warum die Planwirtschaft nicht funktioniert hat. Da fragt man sich doch: Hätten gewisse Änderungen, Reformen etc. den Mauerfall verhindern können? Nein – sagen Historiker. Warum nicht? Weil nur eine komplette Umstrukturierung die DDR hätte retten können, d.h. mehr Selbstständigkeit für die Betriebe, privates Eigentum und weniger vom Staat geführte Pläne.

Im Grunde war die Planwirtschaft von Anfang an zum Tode verurteilt. Einen Plan für ein komplettes Land mit tausenden von Betrieben für die nächsten 5 Jahre aufzustellen – Das kann einfach nicht funktionieren.
Kommt Ihnen das nicht bekannt vor? Auch wenn der Mauerfall einige Jahrzehnte zurückliegt, erkennt man auch noch heute ein ähnliches Verhalten: Zentrale Zielvorgaben, Pläne und Handlungsanweisungen, langsam arbeitende undurchsichtige Bürokratien, Reportings über Reportings, unmotivierte Mitarbeiter und gescheiterte Planziele – Um nur einige Parallelen zu nennen.

Warum handeln große Organisationen so?

Die Motivation hinter diesem Verhalten liegt in vielfältigen Ursachen. Entscheidend ist aber das Bedürfnis nach Sicherheit und die systembedingte Komplexität.
Sicherheitsbedürfnis: Verantwortung für andere zu tragen ist nicht einfach. Man möchte Unheil abwenden und die Gruppe zum Guten begleiten. Das Problem liegt darin, dass niemand weiß was morgen, nächste Woche oder gar die nächsten 5 Jahre passieren wird. Das liegt schlicht und ergreifend daran, dass wir uns in einer komplexen Welt befinden. Je weiter in die Zukunft wir blicken, um so unzuverlässiger ist unsere Vorhersage oder Schätzung. Es ist unmöglich alle Faktoren zu berücksichtigen, da sie unberechenbar sind. Das wiederspricht natürlich völlig dem Bedürfnis nach Sicherheit. Reportings, Historien oder generell Berichte, schaffen die Möglichkeit die Vergangenheit zu analysieren. Daraus lassen sich anhand der berechenbaren Faktoren auch Zukunftsszenarien abbilden, die mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit eintreten. Das ist ein Werkzeug, dass uns dabei helfen kann die (vermeintlich) richtige Entscheidung für die Zukunft zu treffen – Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wir können es trotzdem nicht wissen. Wie soll ich da die richtige Entscheidung für die Zukunft treffen für mich, mein Team oder eine ganze Organisation?  

Das erfahren Sie im nächsten Artikel.

Um die Fehler der Planwirtschaft nicht zu wiederholen empfehlen wir von oben geleitetes Steuern und Planen, dass keinen Raum für Veränderung lässt nicht zu praktizieren.

Probieren Sie es stattdessen mit Flexibilität, Workflow, Mitarbeiter-Motivation und selbstständig planenden Teams in Projekten, oder kurz – Agilität.

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